Flüsternde Augen.

Dem Wind entgegen persönlicher Blog Kolumne Tagebuch

↓ Du hörst lieber anstatt zu lesen? Dann hör dir hier das Hörbuch an. ↓

“Du bist toll!”, flüstern deine Augen. Eine Sekunde lang schauen wir uns an. Wir bleiben stehen. Wir beide spüren den Moment. Es ist nur dieser eine Blick, dem wir trotzdem nicht standhalten. Denn auch Flüstern ist laut, wenn andere zuhören. Also schauen wir verwundert weg. Und blicken uns nicht mehr an. Sind zu überrascht und verpassen den Augenblick, den einen Moment Magie. Also gehen wir weiter. Und vergessen das Flüstern, dass uns stehen blieben ließ. 


Doch mir gehen die Sekunden nicht mehr aus dem Kopf. Ich spule sie immer wieder vor und zurück. Bin gefangen in der Dauerschleife. Dieses schiefe Grinsen und der forschende Blick. Inmitten all der uns umgebenden Menschen. Ich schüttel grinsend den Kopf. Wundere mich, wieso manche Blicke sich anders anfühlen. Wieso sich dein Blick auf einmal anders anfühlte. Wieso wir an diesem Tag stehen blieben und nicht wie gewohnt weiter gingen. 


Also tippe ich Sätze und lösche sie wieder.
Ich versuche das Gefühl einzufangen und zu beschreiben. Es zu erforschen und zu verstehen. Denn Gefühle machen mich neugierig. Ich bin zu sensibel, um Zeichen zu ignorieren. Doch es gelingt mir nicht. Alles was in mir bleibt, sind diese Sekunden, die sich nach Verbundenheit anfühlten. Nach diesem bisschen mehr, das uns vereint. Ganz ohne Wertung, ohne Absicht, ohne Verlangen. Nur Neugier umspielt mich. Fordert mich heraus. Ich versuche es zu verstehen. Meine Frage auszuräumen, unser Handeln zu analysieren, die Zweifel zu beseitigen. 

Denn Augen flüstern nicht einfach so, oder?
In jedem Blick steckt immer auch dieser eine Funken Ehrlichkeit. Dieses kleine Stück unseres Inneren, das mehr verrät, als wir eigentlich wollen. Das wir meistens aber überspielen, während andere es übersehen. Überdeckt von all dem alltäglichen Reden, Lachen und Gestikulieren. Der lauten Umgebung, der Ablenkung, den anderen Menschen. Doch wenn all das entfällt und nur ein Blick bleibt, dann können Blicke flüstern. Sie können ganze Geschichten erzählen, ohne das je ein Wort gefallen ist. Von Neugier und Spannung, von Abneigung und Desinteresse, von gemeinsamen Erfahrungen oder zufälligen Einfällen – jeder Blick mit hunderten Bedeutungen.  Unbedeutend im Alltag – solange bis uns irgendetwas sagt, bleib stehen und erwidere diesen Blick. Höre ganz genau zu.

Dem Wind entgegen persönlicher Blog Kolumne Tagebuch

Und dann stehen wir plötzlich wieder dort, mitten im Treibsand und trauen dem stabilen Grund.
Wir könnten lachend, tanzend durch die Gegend rennen, denn wir haben nichts zu verlieren. Einfach Worte wechseln, um die Blicke näher zu erforschen. Verbindet uns etwas oder verstehen wir uns nicht. Wir wissen es nicht. Doch wir bewegen uns nicht. Wir stehen einfach dort und blicken uns an. Als würden wir längst wissen, dass der Sand sich zu bewegen beginnt, wenn wir versuchen diese Blicke zu verstehen. Die Gemeinsamkeiten zu finden. Aus der Flüchtigkeit, Beständigkeit zu machen. Oder einfach nicht mehr hinzublicken. Also lassen wir es. Ziehen unsere Grenzen und übertreten sie nicht. Finden nie heraus, wer wir eigentlich sind.


Doch du forderst mich immer wieder heraus.
Bewusst oder unbewusst. Und ich tue es dir gleich. Ein unausgesprochener Pakt zwischen unserem Flüstern. Das mal leise und mal laut ist. Mal fast unsichtbar und manchmal tagelang verschwunden. Die Zweifel unserer flüsternden Gespräche, über die wir nie gesprochen haben. Über die Momente, die wir längst vergessen haben. Über die Sekunden, in denen wir stehen bleiben. Denn – wir wissen nicht was sie bedeuten. Ob meine Augen und deine Augen gemeinsam flüstern. Oder wir alleine sind. Und so betrachte ich sie weiter verwundert. Die Sekunden, die vielleicht nichts bedeutet haben.

Also schaue ich dich fragend an, als der Zufall unsere Blicke wieder einmal zusammenführt. Als könnten meine Augen, meine innere Neugier nach Außen kehren. Als könnten deine Augen meine Fragen, dann sofort beantworten. Als wüsste ich dann, was all die vergangenen Momente bedeuten sollten.

Und dann merke ich wieder – deine flüsternden Augen – sie erzählen immer noch Geschichten für mich. Auch wenn Wochen ohne dich vergangen sind. Sie erzählen von Neugier und Verwunderung. Von Desinteresse und Ablehnung. Doch wir stehen immer noch hier und bewegen uns nicht. Doch dieses mal halten wir dem Blick stand, ohne Worte sprechen zu lassen. Wir sind entschlossen, die Grenze nicht zu verlassen. Flüstern so leise,  dass niemand uns hören kann. Nicht einmal wir selbst. Ein schiefes Grinsen, noch ein herausfordernder Blick. Wir drehen uns um. Sind zu überrascht und verpassen den Augenblick, den einen Moment Magie. Also gehen wir weiter. Und vergessen das Flüstern, dass uns einst stehen blieben ließ. 


Dem Wind entgegen persönlicher Blog Kolumne Tagebuch


►Und Du?
Welche Gedanken kommen dir bei “Flüsternden Augen”? Was erzählen sie für dich für Geschichten?

► Fotos by: Tim ❤

Related Posts

Im Auge des Sturms. 5. Oktober 2017
Das ist unser Spiel. 18. März 2017
Stacheldraht. 2. November 2017
Navigation. 7. Juni 2017

2 Comments

Leave a Reply

*