Ich sehe und scrolle weiter. Bewege den Daumen instinktiv. Brauche nicht darüber nachzudenken was ich tue. Bilder ansehen, kommentieren, Small-Talk, einen Moment verweilen, kopfschütteln, aussortieren, für interessant befinden, weiter scrollen. Lückenfüller. Instagram als Alltag. Ich überbrücke Zeit. Lasse mich berieseln. Freue mich über Lebensereignisse mir eigentlich fremder Mensch und empfinde Trauer bei Schicksalsschlägen im Leben Anderer. Ich scrolle weiter. Führe kurze Gespräche mit liebgewonnen Menschen. Lande dennoch immer wieder in Konsumwelten voller neuer, anscheinend erstrebenswerter, Produkte. Nehme nichts mehr wirklich war. So wie all die Plakate und Schaufenster in meiner Umgebung, die ich schon längst ausgeblendet habe.

Das nennt man wohl: Kontinuierliche Überflutung.

Vorgestern fiel es mir wieder einmal ganz bewusst auf. Ein neues Produkt. Schon wieder. Etliche Beiträge später, bin ich eher genervt als beeindruckt. Ich verstehe den Hype nicht – aber irgendwo doch die Kaufentscheidung der Nutzer. Also schreibe ich einen Gedanken auf: „Wer ist schon immun gegen Social Media?!“ Ich kenne das selber zu gut. Hypes entwickeln sich und gehen an mir vorbei. Zunächst jedenfalls. Sie existieren irgendwo in den endlosen Tiefen der sozialen Medien – zwischen Fashionbloggern und Influencern. Manchmal gezielt platziert von Unternehmen und manchmal – da sind es eben doch nur private Empfehlungen, die sich rasend schnell verbreiten und zum Marketingtraum jedes Social Media Mangers werden. Mitten in unserer Freizeit werden wir von Werbung überflutet. Einfach so. Ganz unbewusst.

Ich frage mich: Muss ich denn immun sein?

Mein Konsumverhalten versuche ich längst auf ein Minimum zu reduzieren. Ich möchte nur kaufen, was ich wirklich brauche. Nicht die zehnte neue Jeans oder das x-te ungenutzte Notizbuch. Und dennoch bin ich nicht immun gegen die Anziehungskraft der Hypes. Sie schleichen sich still und heimlich an mich heran. Blogger um Blogger. Post für Post. Obwohl ich Profile, denen ich folge, stets gezielt auswähle – ich kann ihn nicht entgehen. Ich entdecke ständig neue Profile, Hashtags oder Blogs. Und ohne dass ich es wirklich bemerke, stecke ich mitten in der Recherche. Konsumiere Informationen. Lese Reviews. Digital, jederzeit, an jedem Ort. Und auf einmal weckt sich da ein Gefühl in mir – Neugier.

Oh du verhängnisvolle Neugier.

Das Wunderbare an unser menschlichen Neugier ist, dass sie uns aus unserer gewohnten Umgebung lockt. Uns neue Dinge ausprobieren lässt, unser Verhalten ändert und unsere Denkweise ordentlich umkrempeln kann. Also muss ich doch gar nicht immun sein. Oder? Denn wie oft haben mich schon die Beiträge Anderer zu einem besserem Verhalten motiviert, mir nachhaltiger Produkte und eine ökologischere Lebensweise vorgestellt. Erst durch die sozialen Medien bin ich auf die vegane Lebensweise aufmerksam geworden oder habe Produkte wie Matcha kennengelernt. Da war sie wieder – die Überflutung. Aber dieses Mal ohne gebrochene Dämme und Verletzte. Sondern mit Worten, Bildern und Empfehlung, die einen positiven Unterschied gemacht haben. Die etwas langfristig ändern konnten. Kann so etwas grundsätzlich schlecht sein?

Und trotzdem passiert es immer wieder: Kurzschlusshandlung. Das Produkt ist bestellt. Die Neugier war stärker als der Verstand, der vielleicht schon wusste, dass wir das Produkt nicht wirklich gebraucht hätten. Endorphine, Vorfreude, DHL-Bote, Testphase, und oftmals gefolgt von der Vergessenheit. Die Kehrseite des Hypes. Er verweilt oft nur kurz. Und während das nächste Produkt schon in den sozialen Medien auf seinen Hype wartet muss ich feststellen: All mein alltägliches Konsumieren der sozialen Medien hat doch eine Bedeutung. Es ist längst mehr als ein Lückenfüller. Kommunikationsmedium. Unterhaltungsplattform. Shoppingparadies.

Aber vor Allem: Der neue Kaufantrieb einer ganzer Generation.  Meiner Generation. Und die der folgt. Junger Teenager, die den Trends vielleicht nicht widerstehen können und den Kaufanimationen der sozialen Medien 24 Stunden am Tag ausgesetzt sind. Einfach so. Weil es zu unserem heutigen, digitalen Leben dazu gehört. Irgendwie.

Ich schätze die sozialen Medien. Für neue Denkanstöße, für spannende Menschen, die ihre Meinung öffentlich machen, für die freie Kreativität, für Empfehlungen, für geteilte Leidenschaft, für Glücksmomente und Zusammenhalt in weniger glücklichen Zeiten. Aber ich merke auch immer wieder was hinter dem Wort Überflutung steht: Verführung! Eine, die verhängnisvoll werden kann, wenn wir sie nicht mit Bedacht behandeln. Also scrolle ich weiter durch die sozialen Medien, um mich inspirieren zu lassen und lasse das walten, was mir schon meine Eltern immer geraten haben – Vorsicht.


Fotos by: Tim  || Kamera*: Sony & Canon   ||  Obektive*:  Sony-50mmCanon-50mm


Jacke: New Yorker   Top: Cubus  Jeans: Monki   Schuhe: Esprit vegan  Schal: New Yorker


Leider sind nicht alle meine Kleidungsstücke aktuell, deshalb habe ich Alternativen für dich rausgesucht*:

Jacke || Top|| Jeans || Schuhe || Schal ||


Und Du?

Social Media Fluch oder Segen? Bist du bedenkenlos in den sozialen Netzwerken unterwegs oder siehst du auch Gefahren? Ich würde mich sehr über Deine Gedanken in den Kommentaren freuen.

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57 comments

Antworten

Sehr schöne Bilder liebes! Der Look steht dir super. 🙂
Liebe Grüße Lisa♥
lisaslovelyworld

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Ich sehe Social Media eher bedenkenlos. Vielleicht liegt das auch an meinem Alter, weil ich aus der Teenager Zeit längst raus bin? Zu meiner Zeit waren es übrigens noch die Freundinnen, Printmagazine oder die Werbung im TV, die für einen Hype gesorgt haben. Aus dieser Perspektive hat es sich nur verlagert woher so ein Hype kommt. Ich konnte immer schon gut entscheiden, ob ich etwas brauche oder nicht. Oder haben möchte oder nicht. Vielleicht haben nur heute viele für sich selbst verlernt zu filtern?

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Ich finde es toll auch mal eine andere Meinung zu lesen! Du hast sicherlich recht, die Hypes die eben früher in der Bravo waren sind heute eben im Internet zu finden. Ich glaube der Unterschied ist aber, dass wir eben früher den Trend nur an unseren Freunden oder mal in einem Magazin bei Stars gesehen haben. Heute sind wir alle ständig davon umgeben und ständig wird uns suggeriert wir brauchen ein neues Produkt. Das sehe ich besonders für die Jugend kritisch. Aber ja ganz sicher ändert sich das Verhalten auch mit dem Alter, weil wir eben genau wie du schreibst, lernen besser zu filtern. Danke für deine Gedanken! ❤ Saskia

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Richtig schöne Farbkombination 🙂
Die Fotos sind echt toll Liebes <3

Liebe Grüße

http://nilooorac.com/

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Vielen Dank für diesen iformativen und tollen Beitrag.
Ich kenne dieses Verhalten leider nur zu gut. Eigentlich brauche ich kein Mamornotizbuch, keine Kleiderstange und schon gar keine Detoxkur. Trotzdem werde auch ich ab und an zum Opfer. Anderseits werde ich mit meinem Blog natürlich auch für bestimmte Produkte.
Wirklich ein schwieriges Thema..
Liebste Grüße
Sassi

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Ich glaube besonders für Blogger ist es wirklich ein besonders schwieriges Thema. Einerseits möchte man neue Produkte testen um sie empfehlen zu können, anderseits ist da immer die Frage nach der Notwendigkeit der Teile.. Aber ich finde, wenn man sich dieser Problematik bewusst ist, ist man schon einen großen Schritt weiter 🙂 Danke für deine Gedanken! Liebe Grüße an dich!

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Super schöne Bilder!! Ein tolles Outfit 🙂

http://www.changeable-style.com

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