Ich habe keine Zeit. Seit Tagen drängt mich der Gedanke von Termin zu Termin. Ich nutze die freie Zeit zwischen den To-Do’s um neue To-Do’s zu schreiben. Immer weiter planen, organisieren. Zeitmanagement heißt das Wort der Stunde. Ich hetze also pendelnd durch die Gegend. Großstadttrubel. Lärm. Eine Phase. Durchatmen kann ich später. Morgen; nächste Woche; nach dem Frühling.

Ich verlaufe mich.
Im Zeitalter der digitalen Navigation –
verlaufe ich mich.
Inmitten dieser Großstadt
aus Beton, Stahl und Glas.
Heute bist du mir
zu laut,
zu stürmisch,
zu hektisch.
Menschenmassen.
Anonyme Marionetten, die durch die Straßen hetzen.
Von Termin zu Termin.
Den Blick stets auf Smartphone gerichtet –

genau wie ich.

„Kein GPS gefunden“ ruft mir mein Handy beinahe sarkastisch entgegen. Ich werfe den Kopf wütend nach hinten, stampfe auf den Boden und führe mich auf wie ein bockiges Kleinkind. Ich fluche vor mich hin, während ich versuche die Karte auf dem Handy zu lesen. Ich habe nicht nur das GPS, sondern offenbar auch meinen Orientierungssinn verloren. Es brodelt in mir.

Doch dann fällt es mir auf. Das erste Mal seit Wochen halte ich wirklich an. Es ist schön hier. Ich schaue mich um. Wann ist es nur so grün geworden? Wo ist das Grau des Winters hin? Es waren doch nur ein paar stressige Wochen.

Ausatmen. Gänsehaut. Hier war ich schon einmal. Im letzten Sommer. Oder war es der Vorletzte? Ich sehe uns noch dort stehen. Zwischen den Bäumen. Ich pflückte kunterbunte Blumen. Die Stadt im Hintergrund. Der Wind spielte in deinen Haaren und du schimpfst über ihn, während ich dich grinsend beobachte. Dieser eine laue Sommerabend an dem die Sonne den Himmel rosa färbte. Glücksmomente, fernab vom Großstadttrubel.

Ich bleibe. Laufe weiter den Weg entlang, den wir vor gefühlten Ewigkeiten entlang spazierten. Das schmelzenden Tankstellen-Eis in unserem Händen. Mir wird klar: Dieses Jahr hätte ich ihn zwischen all den Terminen fast verpasst. Den Sommeranfang in der Stadt.

Ein flüchtiger Blick in die Weite reicht, um inne zu halten. Die Augen schließen. Durchatmen. Ich höre die Blätter rascheln, wie sie die erste Melodie des Sommers singen. Der Stadtlärm verschwimmt im Hintergrund. Ich fühle mich fast wie auf dem Land. Ferne Kinderstimmen – die mich immer an Freibäder erinnern – liegen mir im Ohr. Lachende Fahrradfahrer. Ich pflücke Pusteblumen. Das erste Mal in diesem Jahr.  Menschen gehen weiterhin an mir vorbei. Ruhig, gelassen. Die Schirmchen meiner Pusteblume segeln auf den Boden. Ganz still und leise. Landen dort wo Beton und Natur längst eins geworden sind – auf den Rissen des Asphalts. Ich laufe weiter.

Auf einmal lande ich wieder an der Hauptstraße. Bin zurück in der Großstadt. Hupende Autos und fluchende Fahrradfahrer holen mich aus meiner Welt. „In 200 Metern befindet sich das Ziel auf der linken Seite“ ruft mir mein Handy nun entgegen – ohne zu wissen, dass ich mein Ziel schon längst gefunden haben.

Wie konnte ich es übersehen.
Du bist nicht grau in grau.
Keine Betonwüste,
kein kalter Ort.

Du hast mich angehalten. Ausgebremst.
Mir deine versteckte Oase gezeigt.
Du bist nicht immer laut.
Du bist sanft und flüsternd.
Du bist mein Ziel.




 📷Fotos by: Tim
Kamera *Sony & Canon
Objektive* Sony-50mm & Canon-50mm


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und deshalb nicht mehr aktuell. Hier findest Du Alternativen*:

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Und Du?
Stadtkind oder Dorfkind? Wo lebst du gerade?
Ich freue mich auf Deine Gedanken in den Kommentaren!

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42 comments

Antworten

Meine liebste Saskia,
ich kann Dir gar nicht sagen, wie versunken ich in diesen wundervollen Text bin, ich habe mit meinen Augen an jedem einzelnen Wort gehangen!
Ich bin ein Dorfkind, das nun in der Großstadt lebt. Als Kind kann ich mir keinen besseren Ort vorstellen um auzuwachsen als ein Dorf. Es ist familiär und frei, behütet aber doch abenteuerlich. Ich möchte meine Kindheit an keinem anderen Ort verbracht haben als dort.
Heute lebe ich in der Großstadt und schätze, die Nähe ud das Unkomlizierte. Man braucht kein Auto, fühlt sich unabhängig und kann doch alles schnell erreichen. Tausend Möglichkeiten scheinen sich zu offenbaren. Egal ob Freizeitgestalung oder Job. Das Leben pulsiert und meine Heimat kommt mir trist und langweilig vor. Zuviel Zeit verliere ich dort bei den einfachsten Dingen und sehe mich nach der Hektik der Großstadt.
Und kaum dort angekommen, fehlt mir die Ruhe meines Zuhauses!

xo, Rebecca
http://pineapplesandpumps.com/

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Meine liebe Rebecca,
wie schön von dir zu lesen und danke für all die wunderbaren Worten!!
Du hast es gerade so schön auf den Punkt gebracht, dass ich deine Worte am liebsten wiederholen möchte. Als Kind war das Landleben auch für mich einfach wunderbar, weil man so frei sein konnte. Heute als Student ist es das stadtleben, dass den Alltag mit kleinem Budget doch wunderbar umkompliziert gestalten lässt. Trotzdem fehlt mir oft die Ruhe des Dorflebens. Um so mehr genieße ich lange Spaziergänge in der stadtnahen Natur – danach lernt man den ‚Lärm‘ der Stadt wirklich wieder zu schätzen 🙂 Ich wünsche dir ein tolles WOchenende und schicke dir die liebsten Grüße 🙂

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Oh my! You are gorgeous! I love your outfit!! <3 Have a great weekend!!
xx
Shivangi
http://www.outoncatwalk.com

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Thanks Shiangi for all your lovely words 🙂

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Guten Morgen Saskia, ich lebe gerade in der Stadt – leider. Dabei bin ein Dorfkind, ich bin dort aufgewachsen und komme immer wieder, wo es nur geht, zurück in meine Heimat. Ich brauche das, und nach ein paar Stunden auf dem Land bin ich wieder geerdet. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. Liebe Grüße Jana von Magische Farbwelt

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Liebe Jana,
ich kann deine Gedanken zu diesem Thema so gut verstehen! Mir fehlt die Ruhe vom Land auch sehr! Aber erst seit ich in der Stadt lebe, ist mir überhaupt erst richtig aufgefallen wie herrlich ruhig es ist 🙂 Vielleicht kannst du ja bald auch wieder zurück aufs Land ziehen! Ich drück dir die Daumen! Liebe Grüße an Dich!

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Du schreibst echt schöne Text, hast echt Talent:) Ganz zu schweigen von den Bildern! Ich finde deinen Blog sehr inspirierend, weil er sich nicht nur „oberflächlich“ um Mode dreht.

Liebe Grüße, Leonie von http://eyeofthelion.de

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Liebe Leonie,
vielen lieben Danke für deine Worte – das bedeutet mir sehr viel, weil du genau erkannt hast worum es mir geht 🙂 Ich wünsch dir ein tolles Wochenede und schick dir liebe Grüße!

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oh mein Gott die Bilder sind der absolute WAhnsinn. ich bin begeistert
http://carrieslifestyle.com

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Danke dir liebe Carrie für die lieben Worte! Hab einen tollen Freitag! 🙂

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