Dem Wind entgegen Blog Kolumne Selbstliebe Selbstfindung Selbstakzeptanz Alltag

2011. Seit fünf Minuten starre ich die Gruppennachricht auf meinem Handydisplay an. „Wer kommt heute Abend mit? Feiern!?!“ Ich bin unruhig, laufe hin und her. Ich blicke die Frage an, als würde sie verschwinden, würde ich es nur doll genug versuchen. Es ist Freitagabend und jeder meiner Freunde scheint heute unterwegs zu sein. Zuhause bleiben ist keine Option. War nie eine Option. Wird nie eine Option sein. Nicht so lange wir jung sind. So lange ist diese Frage keine Frage, sondern eine Selbstverständlichkeit.

„Sie kommt doch sowieso nicht mit“, höre ich die Leute flüstern. Und sehe das Nicken der Anderen schon vor mir. Fast wäre es mir lieber, man hätte mich nicht gefragt und ich hätte keine Entscheidung treffen müssen. Wäre dem inneren Tauziehen entgangen. Ich hätte nicht wählen müssen zwischen dem Erfinden von Ausreden oder dem Abend zwischen betrunken-grölenden Marionetten. „Sag doch einfach ab.“ – sagt das Herz frei heraus. „Da ist doch nichts dabei, sie werden es verstehen.“ Doch der Verstand zögert, weiß, dass das Label Langweilig schon längst an meiner Stirn haftet. Fest verklebt mit meiner Haut.  Und nun beginnt auch das Herz zu zweifeln, versucht das Label zu lösen, denn es weiß, dass es nicht stimmt. Also will es nun doch dabei sein, Teil der Gruppe und der neuen Erinnerungen werden. Und so fassen sich Herz und Verstand Hand an Hand, übergehen das Bauchgefühl und tippen in das Nachrichtenfeld: „Na klar, ich bin dabei!“.

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Wir sind ein bisschen leichtsinnig. Übertreten festgelegte Grenzen mit einem frechen Grinsen.
Was macht das schon? Wir sind doch jung.
Wir feiern in Clubs, auf Festivals, auf Partys. Am liebsten jeden Tag – zwischen Alkohol und dem Kater am nächsten Morgen.
Was macht das schon? Wir sind doch jung.
Wir sind ständig unterwegs. Vernachlässigen ein wenig unsere Pflichten hier und unsere Aufgaben da.
Was macht das schon? Wir sind doch jung.

Und so bewunderte sie fast ein wenig: Meine Freunde, die jeden Tag unterwegs waren, um andere Menschen zu treffen. Die all den Klischees entsprachen, die ein Jeder an die Phase unseres Lebens zu haben schien. Wir waren laut und jung und wild. Und das feierten wir. Jedes Wochenende und jeden Wochentag an dem noch etwas Zeit übrig war. Kletterten heimlich ins Freibad, um im Mondlicht zu schwimmen. Durchtanzten die Nacht, um im Morgengrauen nach Hause zu kommen. Erfanden wohl klingende Geschichten, um unseren Eltern nicht die Wahrheit erzählen zu müssen.
Was machte das schon? Wir waren doch jung!

Getrieben von der Frage hing ich manchmal fast sehnsüchtig den Erfahrungen der Anderen hinterher, die all die kleinen Alltagsgrenzen überschritten hatten. Doch immer wieder folgte die gleiche Reaktion: Ich schüttelte den Kopf. Das war nicht ich. Das wollte ich nicht sein. Ich bin ein ruhiger Mensch. Ein Wochenende ohne Verabredung, war schon immer eine Wohltat für mein kreatives Herz. Zeit um Projekte zu verwirklich, den Gedanken nachzuhängen und neues zu Lernen. Und ich lernte. Stricken, Photoshop, Nähen, Fotografieren, Handwerken. Oder schrieb, las und lebte – all die wilden Geschichten. Und da fiel mir auf – dass ich zufrieden war. Mit dem was ich schaffte, wenn ich Zeit für mich hatte. Das dieses Tun mich glücklich machte. Das ich okay bin, wie ich bin.

Doch kaum schaute ich in den Spiegel, sah ich es wieder. Das Label – leuchtend prangte es auf meiner Stirn: Langweilig. Also begleiteten mich die Zweifel. Denn schaute ich die Anderen an, klebte an ihnen in großen roten Buchstaben das Wort Cool. Und die Welt schien immer lauter zu rufen: So ist es richtig! So musst du sein. Was macht das schon? Du bist doch jung!

Doch diese laut rufende Welt schien mir etwas zu vergessen: Wir sind nicht alle laut und wild. Wir sind – verschieden. Ganz einfach nur verschiedenen.Und die Welt, sieht es nicht, ist geblendet von den Labels, die sie ständig vergibt. Sieht sie nur die Gleichheit der Gruppe, die rauschende Energie, die sie umgibt.

Doch
auch mein Leben pulsiert.
Wild und Laut.
Ruhig und Still.
Das ist mein Herzschlag.

Ich habe ihn beschützt –
verborgen unter einer Schicht aus Leidenschaft,
ummantelt durch ein wenig Glück.

Doch
ich gewähre Eintritt,
wer die Labels hinter sich verbrennen lässt,
der kann ihn fühlen.
Meinen wilden, lauten Herzschlag,
der für so viele Dinge brennt.

Und dann,
erkennt ein Jeder vielleicht auch,
dein Herzschlag ist dort, wo du Glück empfängst.
Wo kein Label deinen Wert bestimmt,
doch dein Herz so laut, so kräftig schlägt.
Für dich und deine Leidenschaft.

Und wenn Andere deinen Herzschlag nicht erkennen,
die Kraft nicht spüren, die Vielfalt verkennen, den Wert nicht schätzen,
dann braucht es nur eine kleine Frage,
um auf sich selbst zu vertrauen –
was macht das schon, wenn ich anders bin?

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2017.
“ Wir wollen nachher noch tanzen – Du willst nicht mit oder?“. Es folgen etliche Smileys, die eine ganz eigene Geschichte erzählen. „Nein, danke – ich widme mich heute Abend dem Handlettering – aber los zieht in die Nacht hinaus und habt Spaß! “ Ich hänge ebenfalls dutzende Smileys an und lege grinsend das Handy weg. Es ist Freitagabend und jeder meiner Freunde scheint heute unterwegs zu sein. Ich liege auf meinem Bett, die Haare hoch gebunden, das Make-Up längst hinunter gewaschen. Mein Freitagabend-Glück. Ruhig und Still. Und so vergehen die Stunden, in denen ich wieder einmal etwas neues Lerne, während ich lachend die Fotos meiner Freundinnen kommentiere und mich auf den nächsten Abend mit ihnen freue. Ohne Ausreden. Wild und Laut. Mit Herz, Verstand und Bauchgefühl – Hand in Hand.

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 📷Fotos by: Tim
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Und Du?
Was hat Dich schon immer von Anderen unterschieden?
Wie groß ist deine Selbstakzeptanz?
Ich freue mich auf Deine Gedanken in den Kommentaren!

 

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78 comments

Antworten

Die Bilder sind einfach nur WOW! Wirklich wunderschön! Finde du hast mit deinem Text wirklich den Punkt getroffen. Heute ist es witzigerweise wirklich so, dass man entspannt zu hause und sich über Einern Abend auf der heimischen Couch freut ohne zu denken „Hilfe ich hab keine Freunde“. Hat mir wirklich viel Freude gemacht deinen Blogpost zu lesen.

Liebe Grüße, Milli
(http://www.millilovesfashion.de)

Antworten

Hallo liebe Milli! Es ist wohl einfach das Alter und die Erfahrungen der Vergangenheit, die uns heute so entspannt sein lassen 🙂 Man weiß wer man ist und macht sich nicht mehr so die Gedanken darüber, ob andere das nun gut oder schlecht finden 🙂 Danke für deine lieben Worte und viele Grüße an Dich!

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Starker Text, ich kenne dieses Gefühl auch, Erwartungen erfüllen zu müssen um nicht als ,,Langweiler“ dazustehen.
Nicht dass mir hin und wieder feiern gehen keinen Spaß macht, allerdings verbringe ich eben auch sehr gerne mal ein Wochenende zuhause und lese etc.
Ich habe mir dann oft Ausreden einfallen lassen, von wegen ,,Ich bin krank“ oder Ähnliches, nur um ohne schlechtes Gewissen einen Freitag Abend daheim zu bleiben.
Im Nachhinein finde ich das total bescheuert und stehe inzwischen auch dazu, wenn ich mal keinen Bock auf Saufen und Party habe. Und wenn Leute einen dann schief anschauen,
oder indirekt als Langweiler abstempeln, na und sollen sie doch. Echte Freunde haben dafür Verständnis und außerdem lasse ich mir doch nicht irgendwelche Zwänge auferlegen, nur um vielleicht das perfekte Bild einer ,,coolen Jugendlichen“ zu erfüllen.
Ich glaube bei dem Text fühlen sich insgeheim mehr junge Leute angesprochen, als man so nach außen hin vermuten würde, wir sollten alle lernen mehr zu uns und unseren Bedürfnissen zu stehen und uns nicht dafür zu schämen, wenn wir vielleicht ein bisschen anders sind als die breite Masse!
Liebe Grüße
https://soulstories-amandalea.blogspot.de

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Hallo liebe Amanda und danke für dein so ausführliches Kommentar! 🙂
Du hast ganz sicher Recht, dass der Text wohl wirklich mehr junge Leute bzw. unsere jugendliche Erinnerung anspricht. Das hat tatsächlich einfach damit zu tun, dass ich diese Gefühle als Teenager hatte. Heute ist es mir ganz schlicht und ergreifend egal, wie andere Leute mein Leben beurteilen, denn ich bin glücklich wie und habe eben auch die Menschen in meinem Leben, die mich für das schätzen, was ich bin 🙂 Mir geht es übrigens ganz ähnlich wie dir – ich gehe auch hin und wieder gerne einmal feiern, habe mit den richtigen Leuten, einen großartigen Abend – aber dann kann ich auch sehr gut wieder ein paar Wochen ohne wilde Nächte leben 🙂 Am Ende geht es wohl wirklich einfach darum, sich selbst zu aktzeptieren und sich nicht zu verbiegen nur um anderen Menschen zu gefallen – wenn man das schafft, sind wir dem eigenen Glück schon ein großes Stück näher gekommen! Hab einen wunderbaren Montag liebe Amanda! 🙂

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Die Bilder haben mich ganz verzaubert und der Text ist super passend dazu. 🙂

Viele liebe Grüße,
Isabelle
https://lapetitelune.de/

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Danke dir Isabelle 🙂

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Was für ein wunderschöner Beitrag! Ganz tolle Bilder und ein ganz anderer Blogpost 🙂

Hast jetzt einen neue Leserin (bin dir gerade bei Instagram gefolgt) 🙂

Liebe Grüße und einen schönen Abend
Elina

Antworten

Hallo liebe Elina! 🙂
Ich freue mich sehr! Nicht nur das dir der Beitrag und auch die Bilder gefallen haben und noch mehr darüber, dass ich eine neue Leserin gewonnen habe! Ich freu mich sehr 🙂 Schlaf später gut!

Antworten

Wow♥ Lady, du siehst einfach super aus!! Ich liebe deine Bilder!
Liebst, Melina
http://www.melinaalt.de

Antworten

Ich danke dir für das zuckersüße Kompliment liebe Melina! 🙂

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