Dem Wind entgegen Blog Erinnerung der Generation Digital Native

Ich wühle in Erinnerungen. Wortwörtlich. Alle fein säuberlich aufgehoben in einer kleinen bunten Kiste und einer externen Festplatten. Mehr digital als analog.

So ist das wohl bei uns Digital Natives.

Ich bin in den 90ern aufgewachsen. Meine Kindheit verbrachte ich also ohne das Internet. Alle meine Erinnerungen aus dieser Zeit sind analog. Aus Papier, Glas und Stein. Erste Liebesbriefe, geknüpfte Freundschaftsarmbänder und unscharfe Fotos. Zum Anfassen und immer wieder erleben.

Meine Teenagerzeit hingegen war geprägt von einem Messenger. MSN. Minuten – um Stunden – um Tage, saßen wir davor. Wechselten unseren Status schneller als unsere Socken und hatten mehr Emojis gespeichert, als Whatsapp es heute hergibt. Und dann verschwand das Programm nach und nach. Abgelöst durch das nächste digitale Zuhause der Generation Internet: Facebook. Und so langsam packen wir erneut unser Hab und Gut zusammen und ziehen zur nächsten sozialen Revolution: Whatsapp. Was nach jedem Umzug bleibt sind Dateien, die im Grunde genommen nur aus 1en und 0en bestehen. Ewig lange Chatverläufe, etliche Fotos vergangener Partys halten nun die Erinnerung an meine Teenagertage fest. Digital. Auf einem 12 x 20cm großen Wunderwerk namens Festplatte.

Dem Wind entgegen Blog Erinnerung der Generation Digital Native

Wie viel Digital Native steckt eigentlich noch in meiner Generation? Also in uns Mitzwanzigern, die wir noch unsere analogen Erinnerungskisten zu Hause stehen haben – mit all den Erinnerungen an die Zeit ohne Internet. Als Nächte lang mit dem ersten Schwarm SMS geschrieben worden und um jedes Zeichen in der Nachricht gekämpft wurde. Damit ja nicht noch die nächste SMS angebrochen und das wertvolle Prepaidguthaben verbraucht wurde. Als auf Zetteln in der Schule die Wochenendplanung besprochen wurde. Als mein Freundeskreis aus meiner Schulklasse und nicht aus Tausenden von Fremden im Internet bestand. Wie wäre es wohl gewesen hätten wir damals schon Whatsapp gehabt? Was würde heute in meiner Erinnerungskiste liegen?

Dem Wind entgegen Blog Erinnerung der Generation Digital Native

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Ich frage mich, wie Teenies von heute ihre Erinnerungen sammeln. Gibt es bei ihnen noch diese Erinnerungskiste, die von den Eltern liebevoll vom ersten Kuscheltier über krakelige Schreibversuche gefüllt werden und dann in Teenagerzeiten durch zerrissene Fotos vom ersten Trennungsschmerz ergänzt werden? Was macht man mit den gemeinsamen Fotos, die man nur digital hat? Löschen? Keine gemeinsam zelebrierten Lagerfeuer mehr, wo die schmerzlichen Erinnerungen verbrannt werden? Irgendwie stimmt mich das traurig, obwohl es bei mir heutzutage nicht anders aussieht. Ich lösche, sortiere und lege Daten ab. Ohne nachzudenken. Auf eben jener externen Festplatte. Abrufbar – immer und überall. Um jederzeit alte Erinnerungen wieder entdecken zu können.

Digital. Als Digital Native.

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Alle paar Monate überkommt es mich dann. Die analoge Vergangenheit meiner digitalen Generation. Und ich fange an in dieser Kiste voller gesammelter Momente zu wühlen. Zwischen alten Tagebüchern, vergilbten Postkarten und Muscheln vom Ostseestrand. Ich beginne zu schmunzeln über wiederentdeckte, kaum noch lesbare Liebesbriefe und vergieße Tränen auf Fotos von Menschen, die längst nicht mehr bei mir sind.

Analog. Ohne digitale Erinnerungen.

Dem Wind entgegen Blog Erinnerung der Generation Digital Native

Dem Wind entgegen Blog Erinnerung der Generation Digital Native

Dem Wind entgegen Blog Erinnerung der Generation Digital Native

Schlussendlich ist es tatsächlich eigentlich egal, wie ich meine Erinnerung speichere. Das Prinzip muss diese Art nur für mich und mein Leben passen. Denn im Grunde genommen zeigen uns Erinnerungen vor allem eines: Entwicklung. Es gibt keinen Stillstand in unserem Leben, auch wenn wir gefühlt Ewigkeiten am selben Fleck stehen. Jeder gespeicherte Moment, ob digital, analog oder im Herzen, verändert uns ein kleines Stück. Niemand kann von sich behaupten, er sei noch genau so wie vor 5 Jahren. Gott sei Dank, denke ich da schmunzelnd beim Blick auf alte Fotos. Meine Probleme von damals scheinen mir heute beinahe lächerlich, waren sie damals doch welterschütternd. Dennoch bleibt mir die Gewissheit, dass ich das Selbe vermutlich in 10 Jahren über meine Mitzwanzigerprobleme sagen werden.

Erinnerungskisten sind vielleicht einfach genau das: Ein Ort, der Entwicklung sichtbar macht. Der uns aufzeigt, welche Herausforderungen wir gemeistert haben, woran wir gewachsen sind und wer wir bereits geworden sind. Egal, ob analog oder digital.

Dem Wind entgegen Blog Erinnerung der Generation Digital Native


Fotos by: Tim  || Kamera*: Sony & Canon   ||  Objektive*:  Sony-50mmCanon-50mm


Jacke: H&M   Kleid: New-Yorker  Schuhe: Deichmann  Kette: Zara  Erinnerungsboxen: Tchibo


Leider sind nicht alle meine Kleidungsstücke aktuell, deshalb habe ich Alternativen für dich rausgesucht*:

Jacke || Kleid || Schuhe || Kette || Erinnerungsboxen


Und Du?

Wie sieht deine persönliche Erinnerungskiste aus? Digital oder Analog? Oder doch nur ein Stück in deinem Herzen?

 

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18 comments

Antworten

Oh wie toll ist bitte dein Bloglayout und die Fotos !
Ich bin ja so froh, dass ich auf deinen Blog gestoßen bin 🙂 Vielen lieben Dank für dein Kommentar bei mir.

Da musst ich ja unbedingt dir Bescheid geben, wie klasse ich deinen Blog finde !
Und lass mich garnicht von den Fotos anfangen ! 🙂

Liebste Grüße,
Vivi
Vanillaholica.com

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Liebe Vivi, tausend Dank für dieses zuckersüße Kommentar! 🙂 Du kannst dir nicht vorstellen wie oft ich das Bloglayout komplett über Board geworfen habe – um so glücklicher bin ich jetzt endlich zufrieden zu sein! Jedenfalls erstmal – wie ich mich kenne fang ich übermorgen schon wieder an umzubauen 😀 Ich bin froh deinen Blog gefunden zu haben, ich bin gerade dabei mich immer mehr mit Fairfashion auseinander zu setzen und da bist du und dein Blog so eine wunderbare Inspirationsquelle! Nun wünsche ich dir einen wunderbaren Donnerstag ♥ Saskia

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Ich habe auch eine kleine Kiste voller Erinnerungen, Tränen und Bildern. <3 Und eine Festplatte mit noch viel mehr Bildern. Alle fein säuberlich sortiert, keinst sieht zerissen oder abgenutzt aus. Und die ganz wichtigen Dinge habe ich in meinem Herzen.
Ein toller Text und wunderschöne Bilder. <3

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Dein Kommentar hat mir gerade wirklich ein Lächeln auf die Lippen gezaubert! 🙂 Es ist so spannend zu hören, dass du eben auch alles hast – die kleine Kiste, die Festplatte und das Herz. Irgendwie ist das wirklich etwas wunderbares an der heutigen Zeit, dass wir unser Erinnerung digital und analog gleichzeitig haben können!

Hab einen wunderbaren Abend, liebste Grüße!

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die bilder sind wahnsinnig schön geworden 🙂
LG*

Nathalie von Fashion Passion Love ♥

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Danke für die lieben Worte Nathalie! 🙂 ❤ Wünsche dir einen wunderbaren Mittwoch!

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liebe Saskia, ich habe mich in deinem Beitrag gerade total wiedergefunden! selber bin ich auch in den 90ern aufgewachsen und so manchesmal denke ich mir, wie anders unsere Jugend doch im Vergleich zur heutigen ist. vl gehört aber gerade das auch zum erwachsen werden dazu – ich höre meine Mama noch sagen, wie anderes sie ihre eigene Jugend im Vergleich zu meiner empfunden hat 😉
deine Fotos sind auch super schön geworden! sehr passend zum Beitrag 🙂

alles Liebe,
❤ Tina
https://liebewasist.wordpress.com/
https://www.instagram.com/liebewasist/

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Wie recht du hast liebe Tina! Die Vergangenheit ist nun einmal niemals so wie die Gegenwert und das ist vielleicht ja auch ganz gut so 🙂 Ein bisschen wehmütig wird man dann manchmal aber doch, obwohl ich all die Technik um uns herum liebe! Genieße deinen Mittwoch ❤ Saskia

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wunderschöne Bilder (:

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Ich danke dir Julia, für die lieben Worte! 🙂

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