Dein Spiel ohne Regeln.


Der Wecker klingelt. Es ist Sonntagmorgen. Müde sucht meine Hand das Handy. Treffer. Der Wecker schweigt.  Die Sonne zwingt sich langsam durch meine Jalousie und kitzelt mein Gesicht. Ich bin glücklich. Es dauert genau eine Sekunde, dann bist du wieder in meinem Kopf. Erinnerungsfetzen an letzte Nacht. Ich lachend in deinem Arm. Ein flüchtiger Kuss. Glücksmomente. Sofort setze ich mich auf. Greife nach dem Handy. Nachrichten, E-Mails, sogar eine SMS, doch keine Nachricht von dir. Ein einziger Blick genügt: zuletzt online 6.49 Uhr. Die Augen geschlossen, die Tränen unterdrückt.

Verliebt sein ist wie auf Wolken schweben, sagen die Leute. Rosarot und ohne Zweifel. Sie wissen nicht das Verliebtsein mit dir, wie eine Seifenblase ist. Von außen sind wir makellos, glänzend schön. Ich kann mich in dir verlieren, den Moment gefrieren lassen. Denn wenn wir schweben sind wir leicht, fast schwerelos. Rosarot und ohne Zweifel.

Wir lassen uns treiben und jagen ohne Zeitgefühl Wolke 7 hinterher. Umhüllt von der Magie, die nur denen offenbart wird, die für einen Moment alles für die Liebe vergessen können. Doch nur ich weiß, dass der nächste Windstoß schon das Ende bedeuten kann. Dass unsere glänzend schöne Hülle vergänglich und gänzlich instabil ist. Dass wir mit jeder zuvor zerplatzen Blase eine neue um uns haben entstehen lassen. Und wir es niemanden verraten haben, um die Magie zu waren. Das Spiel stets fortgesetzt, ohne zu wissen, ob der Sauerstoff für die nächsten Stunden reicht. Nur ich weiß, dass nach diesem Abend, der Nacht ohne Nachricht von dir, unsere Seifenblase erneut platzen wird. Ich hart auf dem Boden landen werde, ohne zu wissen, ob du mich ein weiteres Mal fangen wirst.

Denn du hast dein Versprechen gebrochen. Die Magie vergessen. Mich auf dem Spielfeld zurückgelassen. Erinnerst du dich denn nicht unsere klopfenden Herzen? Das Tanzen im Club? Die Worte, die Zukunft versprachen? Du hast dein Versprechen wieder gebrochen.

Tage vergehen ohne eine Nachricht von dir. Jedes Aufleuchten des Handys ein erneuter Aufprall. Ich verweigere meinen Händen das Schreiben. Dem Herz das Fühlen. Dem Verstand das Denken. Ich lenke mich ab. Brauche Abstand von uns. Dir. Mir. Und lese doch unsere Nachrichtenverläufe. Lache weinend über unsere tiefe Verbindung. Über unseren Humor, der himmelhochjauzend jeden Aufprall abfederte. Jeder Enttäuschung dämpfte und uns für einen Augenblick dieses pure Glück spüren ließ.

Doch langsam erkenne ich das Muster. Verstehe das Spiel. Seit Monaten bebauen wir dasselbe Grundstück. Ich dachte, das wäre leicht. Wir bräuchten nur Steine und ein wenig Seifenblasen-Magie. Doch ich habe mich geirrt. Uns zu erschaffen ist schwer. So unendlich schwer. Denn wir beginnen ständig von vorne. Das Fundament stand mit diesem einen Blick. Das gemeinsame Lachen. Verbindung. Jeder Moment danach ein neuer Stein. Doch kaum hatten wir das Vertrauen gestärkt, die Mauer gebaut, Momente des Glück, zerfallen die Steine. Und wir? Beginnen von vorne. Bebauen das Grundstück mit doppelten Wänden. Stein um Stein. Wir sind uns so sicher: Dieses Mal hält unser Glück.

Dieses Mal war ich mir sicher. Doch vielleicht sind zu viele Mauern eingestürzt, bin ich zu oft mit dir geflogen, bin ich zu oft mit dir gefallen. Bin ich zu hart gelandet und zu oft wieder aufgestanden. Und jetzt will ich keine Nachrichten mehr von Dir. Ich kenne das Spiel. Ich habe Seiten um Seiten voll geschrieben. Mein Innerstes entleert, die Zeichen gedeutet, deine Worte notiert. Ich kenne unser Muster, dachte ich verstehe das Spiel. Doch du spielst schon lange dein eigenes Spiel. Du hast unsere Regeln vergessen. Du lässt mit einem einzigen Abend all meine Zweifel verfliegen, mich schweben und die fast vergessene Magie erleben. Doch ein Windstoß genügt – dann ist alles vergessen.

Dieses Mal werde ich es anders machen. Dir nicht das Kommando übergeben. Mich selbst mehr lieben als unser Spiel. Ich habe gelernt. Verstanden, dass ein wenig Magie nicht immer reicht um Liebe wachsen zu lassen. Ich werde die Sucht überwinden, das Spielfeld verlassen und die Regeln neu schreiben. Ich werde die Mauern einstürzen lassen und meine Narben mit Klebeband flicken, um endlich alleine zu schweben.

Die fünfte Nacht ohne Nachricht von dir. Ich schlafe endlich ein. Ich habe meine Entscheidung getroffen. Das Herz überzeugt. Doch mein Handy vibriert, dein Name auf dem Display. Ich halte die Luft an. Beginne den Kampf. Meine Sehnsucht zu groß, die Gefühle zu stark. 

“Bist du noch wach? Kann ich vorbeikommen?” und mir ist klar, unser Spiel beginnt erneut


►Und Du?

Wie bist du in der Vergangenheit mit Liebeskummer umgegangen? Was hast du aus der Zeit gelernt? Ich freu mich auf deine Gedanken in den Kommentaren.

 

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