Veränderungen.

Ich habe diesen Beitrag so oft geöffnet und wieder geschlossen, dass ich das Zählen aufgegeben habe. Ich wollte schreiben. So sehr, dass es mein Herz fast zerrissen hat. Doch ich konnte nicht. Konnte nicht mein Erlebtes konservieren, meine Gefühle in weich verpackten Worten an diesem Ort ein Zuhause geben. So wie ich es einst geplant hatte. So verging der erste Monat. Und ein weiterer. Und irgendwann waren vier Monate vergangen. Ich konnte es einfach nicht.

Denn ich realisierte, dass mein Schreiberglück stets von zwei Komponenten abhängig ist. Meinem Herzen, das Gefühle nicht vergessen kann und sie immer und immer wiederholt. Und einem freien Kopf. Der mich atmen und denken lässt. Mir Ruhe gibt Worte zu finden, die meine Gefühle beschreiben. Die Möglichkeit gedankenverloren zu erzählen. Ehrlich und frei aus meinem Herzen. Ungefiltert. Ohne Hemmungen, ohne Barrieren. Ganz ich.

Doch mein Kopf hing in den Wolken. Und vielleicht ist er dort noch immer ein wenig, aber meine Füße sind dem Boden wieder näher. Ich war überfüllt von neuen Eindrücken, neuen Menschen, neuen Routinen, neuen Wegen. Und statt zu schreiben, erzählte ich – Stunden um Stunden von all der wunderbaren Aufregung. Von dem Glück, der Enttäuschung, den Emotionen und dem Wandel. Ich teilte das Erlebte in Sprache. Vielleicht einfach weil mein Kopf dann freier ist und die Worte sich sprudelnd ihren Weg suchen. Doch mit jedem Mal erzählen veränderte sich die Geschichte ein wenig. Weil neue Perspektiven hinzukamen. Und ich bei so mancher Erzählung merkte, wo ich nicht die passenden Worte gefunden hatte. Ich mag den Wandel den Sprache mit sich bringt. Die Weiterentwicklung der sonst statischen Perspektive. Den nicht vorhandenen Stillstand.

Doch – manche Geschichten brauchen Beständigkeit. Zum Verarbeiten des Erlebten. Das Bündnis aus dunklen Buchstaben und weißem Papier. Oder eben dem leuchtenden Computerbildschirm. Hauptsache für einen Moment festgehalten. Immer mit Option auf Veränderung. In der Voraussicht, dass diese Geschichte nächste Woche, nächsten Monat oder nächstes Jahr ganz anders klingen wird. Dass ich Dinge anders reflektieren werden. Ich schaffe einen kleinen Ort, den mein Herz so schätzt, an den ich zurückkehren und Entwicklung sehen kann. Deshalb mag ich das Schreiben. Weil es mir Zeit lässt, meine Gedanken zu sortieren. Mein Inneres immer wieder neu zu strukturieren und mich zu hinterfragen. Es zeigt mir neue Wege, weil es mich die alten erneut gehen lässt. Es lässt mich wachsen, ganze ohne dass ich es merke. Denn die Entwicklung sehe ich erst dann, wenn ich irgendwann hierher zurückkehre. Und grinsend über Zeilen fliege, die eine fast vergessene Geschichte erzählen.

Und nach Wochen der Aufregung und Veränderung tippe ich nun endlich wieder. Nur ein paar Buchstaben – doch auf einmal wanderten meine Finger wieder blind und rasend schnell über die Tastatur. Einfach so werden aus dem Erlebten wieder aneinander gereihte Buchstaben. Leise und laut springende Wörter über die ersten Monate dieses Jahres, in denen ich diesen Ort, das Schreiben und das Teilen so vermisste. Die zu Sätzen und schließlich einer ganzen Geschichte werden. Und grinsend frage ich mich warum? Warum heute? Was hat sich gerade verändert? Ich schreibe weiter. Immer und immer weiter, damit diese Gedanken ihr Zuhause an diesem digitalen Ort finden. Um später wieder entdeckt zu werden. So wie vor ein paar Stunden. Als ich aus Neugier wieder las. Meine eigene Geschichte über das Ende und den Neuanfang. Las Gedanken, an die ich mich heute kaum mehr erinnern kann und die doch sofort Berge an Erinnerungen in meinen Kopf hinein spülten. Und vielleicht öffnete ich genau deshalb endlich wieder diesen Beitrag und las folgende Zeilen, die ich irgendwann an einem Januarabend im Winter schrieb:


Eigentlich wollte ich letzte Woche schreiben. Über die Tage an der Nordsee. Die Eiseskälte, das pausenlose Lachen, die strahlende Sonne, die Ruhe der Natur. Den Abschied. Und die Aufregung, die jeden Tag ein wenig größer wurde. Die Vorfreude und das Kribbeln im Bauch. Doch kaum öffnete ich die Augen, sah ich ihn überall. Den Neuanfang. Und er machte mich nervös. Ich konnte nicht schreiben. Veränderungen machen mich nervös. Positiv wie negativ. Etwas von dem ich glaube, dass es sich nie ganz ändern wird. Denn schon als Kind war es so. Also habe ich akzeptiert, dass ich aufgeregt bin. Dass ich lachend durch die Wohnung tanze und im nächsten Moment die Tränen fließen. Dass verschiedenste Gefühle durch meinen Körper wandern. Als hätten auch sie gerade keinen festen Ort. Sie warten mit mir auf das Ankommen. Auf den Neuanfang. Manchmal wünsche ich mir Gelassenheit vor diesen Situationen. Wäre gerne nur ein wenig mehr erfüllt von innerlicher Ruhe. Doch mein tanzendes Herz hat andere Pläne. Meine Emotionen fahren Achterbahn. Und ich fahre mit. Und bin nicht mehr traurig, weil ich weine. Sondern glücklich über meine Emotionen, die mich vorsichtig und doch mutig sein lassen. Mich vor irrsinigen Flugmanövern bewahren und mich doch schweben lassen. Die mich empathisch sein lassen. Also war mein Sonntag vor einer Woche aufwühlend und emotional. Und es war wunderbar, doch ohne viele Worte.”


Und nun sitze ich hier. Nach all diesen Monaten und tippe Worte vom Frühling zu Bildern vom Winter. Was meinem perfektionistischen Ich eigentlich nicht gefällt. Am liebsten würde ich sofort rauslaufen und neue Bilder machen. Doch ich teile diese Bilder. Von der Nordsse. Dem Winter. Dem eisigen Wind. Wild entschlossen. Weil sie ganz unbewusst einen Moment konserviert haben, der den Beginn des Jahres eingefangen hat. Diesen einen Moment – Freiheit Richtung Zukunft. Das Studium beendet, den Nebenjob gekündigt, den neuen Vertrag unterschrieben. Frei. Für einige Tage. Einfach frei. Ich taumelte irgendwo in nebeligen Welten aus Stolz, Aufregung und Zweifeln. Zwischen losgelassener Heiterkeit und selbstkritischen Gedanken. Und irgendwo dort wachse ich nun. Habe ein wenig meinen Platz gefunden und bin doch noch auf der Suche. In den letzten Wochen wechselte ich die Perspektive. Immer und immer wieder. Lernte so irrsinnig viel Neues und erkannte Altes wieder. Fand eine Heimat und einen neuen Hafen. Lachte über unzählige urkomische Momente. Wurde aufgefangen von unendlicher Liebe. Verfestigte meine Werte und stellte Regeln auf, sie niemals zu brechen. Lernte Eigenheiten kennen, die mich wütend und sprachlos machten. Aber auch Menschen, die ohne ihr Wissen längst zum Vorbild wurden. Begann weiter zu verstehen wer ich bin. Teilte Gedanken in Gesprächen, die sich nach wenigen Tagen schon nach Vertrautheit anfühlten. Zweifelte an mir. Und erfand mich neu. Ich bin mitten in dieser Veränderung. Mitten in einem neuem Kapitel, das so voller Aufregung und neuer Geschichten ist, dass ich endlich wieder davon erzählen will. Schritt für Schritt meinem altbekannten Lieblingsort, der tausende von Worten enthält, entgegen. Halte durch. Ich bin auf dem Weg. Denn ich schreibe – ja endlich – ich schreibe wieder.


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8 Comments

  • 8. Juni 2018 at 15:42 — Reply

    Ich liebe die Art wie du deine Geschichten erzählst und dich ausdrückst, da macht es richtig Spaß zu lesen!
    Ich kenne die Gefühle sehr gut. Veränderungen sind nicht immer schlecht, manchmal können sie auch richtig gut sein! Ich wünsche dir ein schönes Wochenende <3

    Ganz liebe Grüße – Marlena von http://www.sparklingmind.de

  • 1. Juni 2018 at 7:37 — Reply

    Du hast einfach eine so so schöne Art und Weise zu schreiben und Dich auszudrücken. Einfach nur klasse!! Veränderungen sind natürlich immer eine große Sache und können eine Art Gefühlschaos auslösen, was ganz normal ist. Es ist auf jeden Fall toll, dass Du Dich wieder zum Schreiben entschieden hast. LG und einen schönen Freitag wünsche ich Dir 🙂

    http://www.confashiontime.com

  • 22. Mai 2018 at 22:05 — Reply

    Was für ein schöner Blogpost, du kannst dich echt wahnsinnig gut ausdrücken und man kann richtig mitfühlen, gerade da bei mir in den letzten Monaten auch so viel neues passiert ist. Ich fühle mich bei großen Veränderungen auch immer so zerrissen. Ich bin auf jeden Fall gespannt wo es dich hintreibt und was du noch so berichtest. xxx

  • 20. Mai 2018 at 9:50 — Reply

    Schön, mal wieder von dir zu lesen! <3 Du hast einfach wieder soooo schön geschrieben, das finde ich klasse. ♥ Deine Worte und dein Schreibstil ergibt immer ein so tolles Gesamtpaket. Und ich finde es gut, dass du keine neuen Bilder verwendet hast. ! <3

    Liebst Elisabeth-Amalie von Im Blick zurück entstehen die Dinge

    • 20. Mai 2018 at 15:15 — Reply

      Es wurde wirklich endlich mal wieder Zeit, dass ich wieder anfange zu schreiben. Und es ist noch schöner zu sehen, dass du immer noch hier bist!! 🙂 Ich wünsche dir den wunderschönsten Sonntag liebe Elisabeth-Amalie!

  • 19. Mai 2018 at 22:03 — Reply

    Hey, ich kann richtig mit dir mitfühlen, dass hast du toll geschrieben!
    Ich selber habe gerade keine einschneidenden Veränderung.
    Alles Liebe für das Neue!
    Liebe Grüße!

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