Urlaubsgedanken. Von Flugangst und anderen Abenteuern.

Ich sitze in einer winzigen Bucht, umgeben von türkisfarbenen Wasser und einer steinigen Küste. Die Sonne scheint auf das weiße Papier vor mir. Mein Herz möchte beinahe platzen vor Glück, dass ich hier bin und das Meer spüren kann. Minutenlang betrachte ich die Wellen, die Segelboote und die lachenden Kinder am kleinen Ufer vor mir.

Ich hänge meinen Gedanken hinterher. Angekommen bin ich noch nicht. Jedenfalls nicht ganz. Es ist der dritte Tag des Urlaubes und ich bin immer noch ein wenig aufgeregt von dem kurzen Flug, der hinter mir, und den Abenteuern, die vor mir, liegen. Denn jeder Urlaub ist für mich mit riesiger Vorfreude, Wanderlust und Glückseeligkeit verbunden. Aber eben auch mit kleinen Mutproben, Ängsten und Heimweh. Es schlagen immer zwei Herzen in meiner Brust, wenn ich das Wort Urlaub höre.

Die Anreise war turbulent und kräftezehrend. Obwohl der Flug ein Traum war. Jedenfalls für jeden ohne Flugangst. Blauer Himmel, kuschelige Wolkenberge, gut gelaunte Piloten, nicht eine Turbulenz. Ich hielt mich solange tapfer bis mein Fuß den Boden der Treppe zum Flugzeug berührte. In dem Moment setze die Angst ein. Wenn ich diese nächsten Schritte gehe, meinen Platz finde, den Gurt schließe, dann gibt es kein zurück mehr. Dann werde ich abheben. In diesem Moment keine Alternative zu haben, nur die Angst zu spüren, tausende Kilometer über dem Boden sich zu bewegen, ist ein verdammt ungutes Gefühl. Also liefen die Tränen. Sogar noch lange nachdem wir schon längst in der Luft waren und ich eben umgeben vom blauen Himmel, kuscheligen Wolkenbergen und gut gelaunte Piloten war. Ich konnte nicht eine Minute des Fluges genießen. Selbst der extra gekaufte Disneyfilm, lenkte mich nicht ab. Ich schaute nur alle paar Sekunden panisch aus dem Fenster, während mein ganzer Körper auf Alarmbereitschaft war. Erst als ich merkte, dass der Landeanflug begann, wurde die Angst weniger. Denn erstaunlicher Weise machen mir weder Start noch Landung Angst, sondern die Flugzeit dazwischen. Die Zeit in der wir leicht und beinahe sorglos durch die Luft gleiten. Uns unendlich schnell bewegen und über der Welt schweben.

Als wir dem Boden endlich näher kamen, erwachte auch meine Faszination wieder. Über die kleine Welt, die sich so weit unter mir weiter drehte.  Ich verliebte mich in den Moment, als ich das erste Mal die Küste der Insel sah, die türkisleuchtenden Buchten, die Straßen mit ihren winzigen Autos und die Häuser mit Dachterassen. Vielleicht müssen Abenteuer mit einer kleinen Mutprobe beginnen, damit wir wachsam sind und mit diesem kribbelnde Bauchgefühl nach bestehen der Feuerprobe, die nächsten Momente noch mehr genießen können. Das hier ist wohl meine. Jedes Mal wieder.  

Und während ich am Strand die Menschen um mich herum beobachte, frage ich mich, ob es wohl noch jemanden so geht wie mir. Ob sie auch mit kleinen Mutproben zu kämpfen haben? Denn alles was ich sehe sind lachende Menschen, die unbeschwert die Zeit genießen. Und dann fällt mir auf, ich sehe von außen ganz genau so aus. Auch ich sitze hier zufrieden und so unendlich dankbar am Strand. Und ich bin es wirklich: glücklich.  Ganz egal, welche Mutproben hinter mir liegen, welche Sorge ich zu Hause gelassen und welche ich mitgenommen haben.

Niemand weiß, dass ich ständig Heimweh habe, obwohl alles wunderschön ist. Dass ich meine vertraute Umgebung vermisse. Und zwar jedes Mal wenn ich weg bin. Egal ob eine Stadt, ein Land oder ein Kontinent weiter. Für ein paar Stunden oder einige Wochen. Seit Kindestagen habe ich Heimweh. Immer. Als Kind war es furchtbar, als Teenie anstrengend, als Erwachsene – zucke ich grinsend die Schulter. So ist es eben. Das ist ein Teil von mir, mit dem ich lerne umzugehen. Denn vielleicht ist Heimweh haben gar nichts schlechtes. Vielleicht zeigt es mir einfach nur, dass ich viele Gründe habe, um mein Zuhause zu lieben. Weil ich jeden Tag etwas finde, was mich glücklich macht. Weil mich Menschen umgeben, die mein Herz zum Tanzen bringen. Ich hier kleine Traditionen, Rituale und vertraute Wege habe, die mir Sicherheit im Abenteuer Leben bieten. Also erlaube ich mir, mein Zuhause zu vermissen und trotzdem den Urlaub in vollen Zügen zu genießen.

Denn zum Heimweh haben, gehört für mich auch Heimweh nach dem Urlaubsort haben. Als ich den letzten Abend am Strand sitze, umgibt mich der schönste Sonnenuntergang des ganzen Urlaubes. Ich tauche ein in das rote Farbenmeer. Es ist ein unendlich magischer Moment, der die letzten Tag nochmal in mich sickern lässt. Und da vermisse ich ihn schon. Den Urlaub, obwohl ich ja noch mittendrin stecke. Also gehe ich noch einmal alle vertrauten Wege ab. Sauge die ganzen Momente auf, denn das hier war mein kleines Zuhause der letzten Tage. Dass ist das Verrückte an Heimweh. Ich kann es nach jedem Ort haben, wenn ich für einen kleinen Moment mich dort zuhause gefühlt habe.


Eigentlich wollte ich in meiner freien Zeit endlich mal wieder Geschichten schreiben. Lange Texte mit ein wenig zu vielen Worten über Gefühle und Gedanken. Aber mein Kopf entschied sich für Pause. Keine Kapazitäten für durchdachte Erzählungen. Also kritzelte ich immer nur wieder kleine Sätze auf. Momentaufnahmen und Urlaubsgedanken.  

Zum Beispiel über den Besuch in Valldemossa, den Ort an den ich mein Herz verloren hab. Mitten in Mallorcas Bergen, fand ich ein kleines Stückchen Glück. Zauberhafte Gassen, die mit etlichen Blumentöpfen und Pflanzen verziert waren. Wo man alleine unendlich viel Grün und traumhafte Aussichten genießen konnte. Wo ich das erste Mal bewusst eine Straße der Serpentinen entlang fuhr. Und mir ständig mulmig wurde, als ich den Abgrund links sah. Oder ich schrieb, über die lange Autofahrt zum Nationalpark, wo mir immer wieder Tränen über die Wangen liefen, weil ich so dankbar war, für all das was mich umgab.  Oder über die Bucht inmitten von Natur, wo ich in wilden Wellen badete. Die vielen Pferde, Ziegen und Schafe, die ich voller Begeisterung streichelte. Oder die kleinen Wanderungen zwischen Hafen und Berg, die neue Denkansätze anstießen und alte Werte festigten. Oder der Augenblick, wo mir bewusst wurde, dass sich gerade alles richtig anfühlt. Kleine Gedankenschnipsel, die für mich mehr sagen, als hunderte Bilder von all den Orten, die ich sah.

Und dann waren neun Tage vergangen, ohne dass ich es wirklich gemerkt hatte. Denn ich sprang von Abenteuer zu Abenteuer, um meine kleinen Mutproben zu meistern. Zwischendurch hielt ich immer wieder an und staunte. Über die magische Natur, die Liebe, welche mich umgab, die Schönheit von Urlaub und der Kraft der Zeit, die hier ein wenig an Bedeutung verlor. Mein Kopf kam ein wenig zur Ruhe und bastelte nebenbei an neuen Ideen. Und irgendwo in dieser Zeit bin ich tatsächlich ein wenig gewachsen. Ich habe es gar nicht gemerkt, war ich doch immer damit beschäftigt mich zu wundern, wie viele kleine Dinge von mir viel Mut erfordern.

Doch als ich am ersten Abend wieder Zuhause in meinen eigenen, so vertrauten, vier Wänden sitze, merke ich wie leicht mein Herz, wie frei mein Kopf und wie motiviert mein Verstand ist. So manche alltägliche Sorge wirkt auf einmal viel kleiner, Ängste weniger angsteinflößend und der Alltag mit seinen Herausforderungen irgendwie aufregend. Ich fand Platz in meinem Kopf für Worte, Kreativität und Bilder. Belebte Instagram wieder und tippte Satz um Satz für diesen Blogartikel. Vielleicht ist Urlaub genau deshalb so wichtig. Um Neues zu entdecken und Altes schätzen zu lernen. Um Glücksmomente in Erinnerungen zu wandeln, die uns durch die nächste Zeit tragen können. Um sich Ängsten zu stellen, Verhalten zu hinterfragen und sich am Ende selber wieder ein Stück näher gekommen zu sein. All das war mein Urlaub 2018. Aufregend, wunderschön und mit all diesen bleibenden Momentaufnahmen.


►Und Du?
Wie erlebst du das Reisen? Ist es für dich eine Herausforderung oder unbeschwerter Spaß? Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren. 

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4 Comments

  • 9. Oktober 2018 at 20:30 — Reply

    Liebe Saskia,

    das ist ein sehr, sehr schöner Urlaubsrückblick, wirklich ganz anders, als man es sonst so liest.
    Ein bisschen Angst habe vor jedem Urlaub. Es geht bei kleinen Dingen los – das man irgendwas Wichtiges vergisst oder etwas schief geht – ganz egal ob mit dem Auto, dem Bus oder dem Flugzeug. Richtig ruhig bin ich immer erst nach einer erfolgreichen Anreise. 🙂

    Liebe Grüße
    Lisa Marie

  • 2. Oktober 2018 at 15:26 — Reply

    Liebe Saskia,
    das ist wohl einer der poetischsten Urlaubsrückblicke, die ich je gelesen habe und ich mag ihn, sehr. Endlich mal Inhalt und Gefühle anstatt nur Produkte. Ich gehe gerne auf Reisen aber ich komme noch lieber nach Hause zurück. Auch ich bin ein Heimwehkind und den Satz, dass du das Heimweh mittlerweile als Teil von dir akzeptiert hast, finde ich wunderbar. Mehr von solchen Beiträgen!
    Liebe Grüße Anne (:
    http://trustyourgut1.blogspot.com/

  • 29. September 2018 at 18:05 — Reply

    Hey, das hast du schön geschrieben- mal ein ganz anderer Urlaubsrücksblick mit ganz viel Mut!
    Liebe Grüße an dich!

    • 29. September 2018 at 18:22 — Reply

      Irgendwie kam mir ein typischer Urlaubsrückblick nicht richtig vor, also wurden es einfach Gedanken 🙂 Ich freu mich sehr, dass es dir gefallen hat! Ich schicke dir liebe Grüße 🙂

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