06.14 Uhr Mittwochmorgen. Es ist Winter – immer noch.  Und es ist bitterkalt. „Wir haben doch erst Februar, was erwartest du, natürlich ist es kalt!“ schreibt mir eine Freundin grinsend als erste Nachricht an diesem Morgen. Trotz Schnee auf den Dächern, vergesse ich es immer wieder. Ich sehne mich so sehr nach wärmenden Sonnenstrahlen. Doch ich spüre es in dem Moment, als ich die Haustür verlasse. Eiskalte, klare Luft schlägt mir entgegen. Ich muss dringend meine Handschuhe wieder finden, schwirrt es mir durch den Kopf. Schnee knirscht. Es ist das erste Mal seit einigen Wochen, dass ich wieder im Dunkeln los muss. Ungewohnt. Ich ziehe die Tür zu und laufe los.

Ich schicke noch schnell eine Sprachnachricht, um meinen Frust über morgendliche Kopfschmerzen loszuwerden. Ausatmen. Durchatmen. Ich lasse die Hände wieder in den warmen Jackentaschen verschwinden. Ich bin fast allein. Nur ein wenig Nebel zieht klischeehaft durch die Straßen. Angeber. Er sieht so luftig leicht aus, schwebt in seiner Zuckerwattenform so vor sich hin und ist von der Kälte und all der Dunkelheit gänzlich unbeeindruckt. Ich dagegen bin schwermütig. Frühes Aufstehen liegt nicht in meiner Natur. Habe mich vorhin im Halbschlaf schon am Glätteisen verbrannt. Ich bin zu müde. Und es ist zu kalt. Ich muss weiter gehen, ein Termin erwartet mich.

Ich komme auf dem Bahnsteig an. Ein Blick auf die Anzeigen genügt. „Ohoh“ sagt die innere Stimme sofort. Fragende Blicke der Mitwartenden. Durchsagen. Und sofort verfliegt die morgendliche Müdigkeit. Betriebsstörung. Na wunderbar. 06.24 Uhr.  Lobe ich mir doch immer wieder selbst, mich nicht von solchen Zwischenfällen aus der Ruhe bringen zu lassen, bin ich jetzt einfach zu müde. Ich ärgere mich, auch wenn niemand etwas dafür kann. Und vielleicht auch, weil ich schon mit mieser Laune in Tag gestartet bin. Ich warte 20 Minuten, brauche für eine Strecke von 5 Minuten weitere 25 – und verpasse natürlich den Anschlusszug. Bitter.

Also warte ich notgedrungen eine Stunde am eiskalten Bahnhof. Herrgott noch mal, warum gerade heute. Meine Laune sinkt. Es ist doch noch so dunkel und kalt – ich wiederhole mich. Immerhin einen Tee konnte ich ergattern. Dank der 2€ die ich noch aus den Tiefen meines Portemonnaies auftreiben konnte. „Ich sollte wirklich irgendwann einmal Bargeld abheben“, schreibe ich auf meine innere To-Do-Liste. Ich verbringe die Wartezeit mit den Nachrichten. Lese etliche Artikel aus etlichen Ländern, sehe Bilder, die ich in der morgendlichen Dunkelheit kaum abschütteln kann.

Fast zwei Stunden zu spät, durchgefroren und mit verpassten Terminen – erreiche ich mein Ziel doch noch. Der Tag vergeht. Orte und Menschen wechseln sich. Der miese Morgen wird abgelöst durch einen akzeptablen Mittag. Am Nachmittag fühle ich mich wie in einem schlechten Film. Das Bahnchaos wiederholt sich. Mir ist sofort klar: Ich werde den nächsten Termin verpassen. Schon wieder. Also schreibe ich fluchende Whatsapp Nachrichten, die mehr aus Smileys als aus Wörtern bestehen. Ich muss schmunzeln über die humorvollen Antworten meiner Freunde. Ich schaue grinsend von dem kleinen Wunderwerk namens Handy auf. Und völlig unverhofft – wendet sich das Blatt.

„Ich wollte Ihnen nur einmal sagen, was für ein freundliches Lächeln Sie haben.“ Ich zögere, wundere mich und werde dann fast ein wenig rot. Ganz unerwartet steht ein älterer Herr vor mir und sagt mir genau jenen Satz. Ein wenig überrumpelt steh ich da. Sage etwas wie „Oh, dass ist sehr lieb von Ihnen“. Was sagt man in einer solchen Situation?

Anders als ich es erwarte, ist nichts merkwürdiges an seiner Aussage. Sie scheint ganz ehrlich zu sein.
Von Herzen. Von einem völlig fremden Menschen. Der im genau gleichen Bahnchaos steckt wie ich. Der einfach nur sein Ziel erreichen möchte. Vielleicht von Freunden oder seine Familie erwartet wird. Doch er starrt nicht auf sein Handy, aktualisiert alle drei Minuten die Bahn-Website oder knurrt mürrisch vor sich hin – er schaut sich seine Mitmenschen an. Und scheint zufrieden. Macht das Beste aus einen Moment, den wir gerade nicht ändern können

Es berührt mich, auch wenn ich mehr stammelnde Worte als klare Sätze von mir gebe. Und auf einmal ist mir das Bahnchaos egal. Und das lag nicht an dem Kompliment sondern an der wärmenden Ehrlichkeit des Mannes vor mir. Dessen kleiner Satz einen Unterschied machte. Der mich mit klaren Augen anblickte und lachte. Und mich nun fragte: „Na, wo wollen Sie denn hin?“ Das nennt man dann wohl generationsübergreifende Kommunikation. Ganz spontan und voller Herz.

So zeigte mir also, an diesem wirklich miesen Mittwoch ein völlig fremder, aber sehr weiser Mann, das Worte, die von Herzen kommen, den ganzen Tag verändern können. Denn wenn ich heute an diesen eiskalten Morgen im Februar zurückdenke, dann erinnere ich mich immer noch grinsend an genau diese Minute meines Tages und nicht an die etliche Wartezeit am Bahnhof, die verpassten Termine und meine miese Stimmung. Also danke, du mir so fremder Mensch, dass du die Erinnerung an diesen Tag hast positiv werden lassen.

 


Fotos by: Tim  || Kamera*: Sony & Canon   ||  Obektive*:  Sony-50mmCanon-50mm


Pullover: H&M  Jeans: NewLook   Schuhe: Esprit (vegan)  Schmuck: DIY


Leider sind nicht alle meine Kleidungsstücke aktuell, deshalb habe ich Alternativen für dich rausgesucht*:

Pullover || Jeans || Schuhe || Schmuck


Und Du?

An welches spontane Gespräch erinnerst du dich heute noch? Welche Menschen haben dich als letztes beeindruckt. Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren.

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48 comments

Antworten

Vielen Dank für dein Kommentar, ich habe mich echt gefreut! 🙂
Dein Eintrag ist (wie immer) so schön geschrieben! Die morgendlichen Kopfschmerzen und das verbrennen am Glätteisen kenne ich zugut! Ich verstehe deine Aufregung über die Betriebsstörung und der Kälte, dass habe ich früher auch immer getan. Als Challenge mit mir selbst habe ich mir einfach vorgenommen mich nicht mehr über solche Dinge zu ärgern und was soll ich sagen? Es ist nicht immer leicht aber ich fahre viel besser damit.
Die Fotos sind sehr schön geworden. Das ist in Harburg oder? 🙂
Lg. Anna

https://wwwannablogde.blogspot.de/

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Genau dasselbe nehme ich mir auch immer wieder vor Anna 🙂 Mal klappt es und an manchen Tagen, wie eben an diesem Mittwoch, wird es einfach nichts. Aber wir arbeiten dran, dass hilft schon 🙂 Danke für deine lieben Worte und hab einen tollen Mittwoch ♥ Saskia

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eine wundervolle Geschichte liebe Saskia! diese Phänomen kommt mir auch sher bekannt vor … wenn man mal überlegt, dass man doch fast immer, wenn man jemandem mit einem Lächeln begnet, auch ein Lächeln zurück bekommt 🙂
wir sollten in jedem Fall viel öfter mit einem Lächeln duch den Alltag gehen, das macht gute Laune!

damit einen wundervollen Sonntag dir und einen schönen Start in die neue Woche auch,
❤ Tina
http://liebewasist.com

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Das hast du sehr schön formuliert liebe Tina 🙂 Genau so ist es – gebe ein Lächeln und du bekommst eines zurück. Und so eine Kleinigkeit, kann den ganzen Tag verändern! Ich hoffe du hattest einen tollen ♥♥

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Manchmal sind es doch die kleinen und unerwarteten Dinge, die einem den Tag versüßen können! 🙂

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Da hast du absolut Recht Lisa Marie 🙂 Hab einen schönen Sonntag!

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Richtig schöne Fotos und stimmungsvoller Text dazu. Ewig am kalten Bahnhof warten müssen ist eine Garantie für schlechte Laune! Da ist ein Wendepunkt immer willkommen.

-Kati
Almost Stylish

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Besonders dann, wenn es so ein schöner ist 🙂 Hab einen tollen Sonntag Kati!

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Das ist ein wunderschöner Text und ein wunderbares Erlebnis.

Habe ein wunderbares Rest-Wochenende <3
Sei ganz lieb gegrüßt,
Claudia | minnja.de

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Dir auch ein tolle Wochenende liebe Claudia! 🙂

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