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Eine Geschichte über meine Schulzeit, unverständliche Lektüre und die Möglichkeit Jahre später alles anders zu sehen.

Vor ein paar Monaten bekam ich ein Buch geschenkt. Ein wenig ziellos landete es erst einmal auf meinem Stapel der ungelesen Bücher. Erst Wochen später fiel es mir wieder in die Hände. Kaum waren die ersten Seiten gelesen, wurde ich das erste Mal stutzig. Die Namen kamen mir alle so vertraut vor, der Ort erschien mir irgendwie bekannt und dennoch blieb die Überzeugung: Dieses Buch habe ich noch nie gelesen!

Tage später traf ich mich mit einer Freundin. Wartend saß ich mit eben jenem Buch auf einer Parkbank. Kaum sahen wir uns, lachte sie auch schon:

„Ah, das Buch kenn ich! Das haben wir in der Schule gelesen.“

Und wie aus dem Nichts war meine Erinnerung wieder da. Natürlich! Ich hatte dieses Buch auch in der Schule gelesen. Nur eben nicht auf Deutsch. Sondern auf Französisch. Spätestens bei dem Titel des Buches „Bonjour Tristesse“ hätte ich eigentlich stutzig werden sollen. Hätte.

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Wir landeten also in einem lebhaften Gespräch über all die Bücher, die uns durch unsere Schulzeit begleitet hatten. Obwohl wir in verschiedenen Bundesländern zur Schule gingen, war die Literatur doch irgendwie stets dieselbe. Kafka, Hauptmann oder Shakespeare – sie alle landeten als kleines gelbes Reclam Heft auf unseren Schreibtischen. Noch heute schlummern wohl in den meisten Schreibtischschubladen die üblichen Verdächtigen der Oberstufe – vollgekrizelt, bunt markiert und mit Postits übersät. Erinnerung an vergangene Stunden.

Viel mehr als dem Pflichtgefühl konnte ich dieser Literatur leider nie entgegen bringen. Obwohl ich Bücher schon immer geliebt habe – Werke in unverständlicher Sprache in schier ewiger Verbundenheit mit Hausarbeiten, Klausuren und Abivorbereitungen – nein danke.

Das Gute aus damaliger Sicht? Ich war nicht alleine! Bis auf die allseits bekannte Ausnahme, erging es uns allen so. Also litten wir gemeinsam. Seite für Seite, Wort um Wort. Um es halbwegs erfolgreich durch die Prüfung zu schaffen half nur eins – Kapitel, Absätze, Wörter in ihre Bestandteile zerlegen. Googeln, Lesen, weiter googlen. Der ewige Kreis. Wozu das alles führte?

Akzeptable Noten und einer verdammten Abneigung gegen jegliche Art von Schulliteratur.

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Und genau dieses Gefühl kam mit dem erwachten Bewusstsein jetzt auch wieder hoch. Schulliteratur erinnerte mich immer nur an langweilige Unterrichtsstunden und nervenaufreibende Nachmittage zu Hause.

„Einen Versuch ist es wert“ sagte ich fast heimlich zu mir selbst.

Denn gerade hatte das Gespräch über eben diese Bücher, doch noch meine Freundin und mich wieder diese Verbundenheit der vergangenen Schultage spüren lassen. So schlimm kann es dank fehlender anschließende Interpretation und Analyse doch gar nicht werden! Und tatsächlich – irgendetwas war dieses mal anders. Ich verstand die Art, in der Cécile in ihrem jugendlichen Leichtsinn handelte, was den Vater in seinem Leben antrieb und zog die Landschaftsbeschreibungen in mich auf, anstatt sie gelangweilt zu überfliegen. Ich verschwand in der Geschichte, verschlang das Buch in 2 Tagen und tauchte mit einem ganz neuen Gefühl wieder auf.

Es war gar nicht schrecklich gewesen.

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Sondern unterhaltsam, witzig und klug. Charmant geschrieben. Sogar verständlich. Und es erinnert mich plötzlich gar nicht mehr an all die anstrengenden Stunden am Schreibtisch. Vielleicht deshalb, weil ich eben keine ewigen Aufgaben zu den Buch erledigen musste, vielleicht auch einfach nur weil ich älter geworden bin und mein Blickwinkel sich verändert hat.

Ich musste doch ein wenig schmunzeln – über mich selbst und den Wandel, den man mit der Zeit zurück legt. Der richtige Abstand zu einem Thema eröffnet uns manchmal eine ganz neue Perspektive. Vielleicht ist es ganz einfach: Manchmal brauchen eben nicht nur Menschen, Situationen oder Orte, sondern auch Bücher eine zweite Chance. In dem wir sie uns wieder zur Hand nehmen und ihnen anders begegnen. In meinem Fall eben nicht mit dieser abgrundtiefen Abneigung sondern mit Neugier. Hätte es dieses Buch nicht zufällig in meine Hände geschafft, ich hätte es mit ziemlicher Sicherheit nie wieder gelesen.

Also nutze ich dieses kleine Erlebnis und wage mich dieses Jahr hoffentlich noch öfter an die früher so ungeliebte Schulliteratur. Vielleicht komme ich sogar irgendwann noch dahinter, wieso all unsere Deutsch- und Englischlehrer so vernarrt in diese Geschichten waren – wer weiß schon, welche ungeahnten Abenteuer uns in den kleinen gelben Heften noch erwarten.

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Fotos by: Tim  || Kamera*: Sony & Canon   ||  Obektive*:  Sony-50mmCanon-50mm


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Und Du?

Wie viele Reclamhefte schlummern noch in deiner Schublade? Kannst Du dir vorstellen, jemals wieder so ein Buch zu lesen? Schulliteratur in der Freizeit – ja oder nein?

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