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Jede neue Lebenssituation bringt mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit eines mit sich: Veränderung. Wir gehen neue Wege, erleben neue Abenteuer und lernen neue Menschen kennen. Spontane Begegnungen werden zu Bekanntschaften und vielleicht sogar zu Freundschaften. Halten fürs Leben oder enden nach einer gewissen Zeit. Das hier ist meine Geschichte, über eine Freundschaft, die mich geprägt und verändert hat.

Jeder von uns hat sie: Die eine Definition von Freundschaft.

Obwohl man im Laufe der Jahre lernt, welche Eigenschaften man an einer Freundschaft schätzt und welche nicht zu dem eigenen Charakter passen, ignorieren wir jegliche Anzeichen, die uns irgendwann einmal stören könnten, konsequent. Denn es gibt doch so viele andere Eigenschaften, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede, die eine anfängliche Sympathie in eine Freundschaft verwandeln. Und genau so soll es sein. Wenn wir jede potenzielle Freundschaft erstmal auf Herz und Nieren testen würden und jeden Menschen, der eine Eigenheit hat, die uns gerade ein mal nicht so passt, aus unserem Leben ausschließen würden, wäre wir alle ziemlich einsam.

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So kommt es also, dass wir uns wochenlang, monatelang, ja sogar jahrelang mit einer Person beschäftigen. Gemeinsamkeiten ausleben, verrückte Ideen umsetzen, schwere und leichte Phasen des Lebens zusammen meistern. Und je näher man dieser Person Tag für Tag kommt, umso mehr lernt man sie zu schätzen, aber umso mehr lernt man auch diese Eigenheiten kennen, die an der Fassade der perfekten rosaroten Freundschaftswelt kratzen. Auf einmal erscheinen gemeinsame Momente nicht mehr so unbeschwert. Wir beginnen die Ideale der anderen Person zu hinterfragen, sie mit unseren zu vergleichen.

Und schon durchlebt man die typische Phasen: Abwägung, Ignoranz, Verdrängung, Einsicht. Wir haben einen Berg an Ausreden parat, mit denen wir vor uns und Anderen, die sich ändernde Situation immer wieder rechtfertigen. Denn zugeben, dass sich die Freundschaft immer mehr in Unwohlsein umwandelt? Niemals. Wir halten daran fest. Wir geben nicht einfach auf.

Wir kämpfen für die Freude, das Glück und die Momente, die uns so sehr verbinden.

Meine Geschichte liegt schon ein paar Jahre zurück und ist doch heute immer mal wieder präsent. Mehrere Jahre haben wir fast jeden Tag zusammen verbracht. Morgens geschrieben, abends geschrieben, nachts geschrieben. Gedanken, Ideen, Träume geteilt. Und jetzt, zwei Jahre nach Ende dieser gemeinsamen Zeit, ist nichts mehr davon übrig. Da ist nicht mehr viel mehr als die Erinnerung an all die Wünsche und Ziele, die uns mal zusammengehalten haben.

Es ist offiziell: Das Ende einer Freundschaft.

Ein Ende, dass mich sogar heute immer noch kontrovers fühlen lässt. Wieso ging diese Freundschaft eigentlich in die Brüche? Lag es an mir? Ich habe Ansprüche. Ansprüche an eine Freundschaft und natürlich an mich selbst. Habe ich überhaupt das Recht dazu? Bin ich doch selber nicht gerade das Paradebeispiel für die perfekte Freundin gewesen, vergaß mich zu melden, sagte Termine ab. Sollte nicht gerade ich deshalb eine noch größere Toleranz und Akzeptanz in Sachen Freundschaft an den Tag legen? Erwarte ich zu viel? Immer wieder drehten sich die Fragen über Wochen hinweg in meinem Kopf. Doch wie ich es auch drehte und wendete, ich erwarte von einer Freundin, dass sie nicht nur an sich und ihren Problemen interessiert ist, sondern auch an meinem Alltag teilnehmen möchte. Das macht eine Freundschaft für mich aus – zusammen über das gemeinsame Leben sprechen. Das Teilnehmen am Leben der anderen Person fängt bei mir schon bei einer ganz kleinen, aber ganz wichtigen, Frage an. Nämlich: Wie geht es dir? Und zwar nicht so dahin gesagt, sondern wirklich ernst gemeint! Vier so kleine Worte, die einen ganz großen Unterschied machen können!

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Meine besagte Freundschaft hatte nämlich ein riesiges Problem: Kommunikation. Nein, nicht dass wir uns nichts zu erzählen hätten, aber es endet ständig in einem Monolog der anderen Person. Denn ich stelle eine Frage und sie antwortete. Ja, erzählte mir in allen Details wie ihr Wochenende war, was sie beschäftigte und was sie sich wünschte. Und dann folgte jedes Mal die große Stille. Es folgte einfach kein ‚und Du?‘. Es folgten keine Fragen. Fragen über mich, über meine Wünsche, über mein Wochenende – schlicht und ergreifend – über mein Leben.

Und dann kam der Moment, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der die letzten, mühsam erhaltenen Mauern unserer Freundschaftswelt zu Fall brachte.

Aus zwei Tagen ohne Kontakt, wurden zwei Wochen, Monate und schließlich Jahre. Heute müssen die seltenen Facebook-Updates ausreichen, um zu erfahren was im Leben des Anderen passiert. Wir haben uns wortwörtlich auseinander gelebt. Wir sind in unterschiedliche Richtung gelaufen. Was uns bleibt ist die Erinnerung an drei Jahre Freundschaft, mit vollem Herz und Leidenschaft, mit allen Höhen und Tiefen.

Wieso ich diese Geschichte teile? Weil diese eine Freundschaft mich tatsächlich geprägt hat. Weil ich heute empfindsamer denn je im Hinblick auf meine Freunde bin. Sie zu schätzen weiß, sorgsam bin und kontinuierlich an ihnen arbeite. Weil wir wohl alle eine solche Geschichte über komplizierte Freundschaften zu erzählen haben.

Ich habe deutlich gelernt, dass manche Freundschaft eben nur für Monate oder Jahre halten, aber nicht ein Leben lang. Weil wir uns ändern. Weil das Leben sich ändert. Weil wir versuchen uns in all den Veränderungen nicht selber zu verlieren. Und wenn wir merken, dass uns etwas nicht mehr gut tut, der Ärger statt die Freude im Vordergrund steht, dann müssen wir mutig sein und uns der Konfrontation stellen. Manchmal kann das unsere Freundschaft retten, manchmal bleibt uns nur der Abstand. Wir entscheiden uns für einen neuen Weg, mit neuen Lektionen, die wir zu lernen haben.

Und die Zeit bringt dann vielleicht das, was jeder von uns, jede Bekanntschaft und jede Freundschaft verdient hat: Eine zweite Chance!


T-Shirt: Hollister   Hose: Vintage  Schuhe: NoName  Schmuck: DIY


Leider sind nicht alle meine Kleidungsstücke aktuell, deshalb habe ich Alternativen für dich rausgesucht*:

T-Shirt  Hose  Schuhe


Fotos by: Tim  || Kamera*: Sony & Canon   ||  Obektive*:  Sony-50mmCanon-50mm


Und Du?

Welche Freundschaft hat dich am meisten verändert? Glaubst du an die Kraft der zweiten Chance? Ich freue mich auf deine Geschichte in den Kommentaren!

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2 comments

Antworten

Hey 🙂
sehr sehr schöner Post. Ich finde es gut, dass auch mal so etwas auf einem Blog angesprochen wird. Du sprichst mir gerade echt aus der Seele. Momentan habe ich das Gefühl, dass sich die Freundschaft von mir und meiner Freundin sehr stark verändert. Seit wir von der Realschule auf das Gymnasium gewechselt sind, haben wir viele Sachen gemeinsam gemacht. Wir sind durch dick und dünn gegangen. Haben uns getröstet, gelacht und so vieles mehr. Nun kam ein anderes Mädchen ins Spiel. Meine Freundin war auf einmal auf der gleichen Welle mit mir, als mit ihr. Nur weil ich nicht jedes Wochenende feiern gehen möchte… Seit einem halben Jahr machen die beiden nun alles zusammen. Und ich stehe daneben und weiß mit der Situation nicht umzugehen. Noch ein halbes Jahr, dann haben wir unser Abitur. Ich glaube dann werden wir nur noch Bekannte sein. In einigen Jahren werde ich mich zwar zurückerinnern, an das Mädchen, was mit mir meinen 18. Geburtstag gefeiert hat, an unseren Urlaub in Berlin und an unsere Treffen wo wir stundenlang einfach nur geredet haben.
Und das macht mich unendlich traurig.
Ich wünsche dir trotz all dem einen schönen Sonntag.
Liebe Grüße
Julia 🙂
http://www.aboutjulia.de

Antworten

Liebe Julia, danke für diesen persönlichen Kommentar! Ich kann deine Gefühle so gut nachvollziehen. Es tut immer weh zusehen, wenn Freundschaften, die so lange so wunderbar funktioniert hatten, einfach auseinander brechen und man nichts dagegen tun kann. Man steht irgendwie nur daneben. Ich wünsche dir von Herzen, dass eine neue Freundin in dein Leben tritt, die dich für das liebt, dass du bist. Egal, ob du feiern gehen möchtest. Und ganz sicher, du meisterst diese Situation. Und vielleicht könnt ihr Beiden in ein paar Jahren auch noch von vorne anfangen und die alte Freundschaft wieder aufleben lassen. Ich wünsche dir einen wunderbaren Sonntag und danke für deine liebe Worte 🙂 ❤ Saskia

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